Aufwärmspiele für die Theaterprobe
Die Gruppe kommt herein, redet, zieht Jacken aus – und richtig da ist noch niemand. Fünf Spiele für die zehn Minuten davor, vollständig erklärt. Kein Material, kein Körperkontakt, in drei Sätzen angesagt.
Die fünf Spiele unten stammen aus dem Probenbuch «Aufwärmspiele vor der Probe» (46 Spiele in fünf
Stufen, je eins pro Stufe) und sind so abgedruckt, wie sie im Buch stehen. Sie können heute Abend
damit anfangen. Vorher drei Hausregeln, die vor dem ersten Spiel geklärt sein müssen:
- Es gibt keine Fehler.Alles, was in diesen zehn Minuten passiert, ist in Ordnung — es ist einfach so. Wenn in einer Spielbeschreibung von einem Fehler die Rede ist, ist damit nur ein Spielzug gemeint, der eine Folge hat: eine Runde um den Kreis, ein Punkt auf der Stirn, ein Platztausch. Das ist die Mechanik des Spiels, keine Bewertung der Person. Wer rausfliegt, bleibt im Raum und lacht mit.
- Immer am selben Ort, immer zur selben Zeit.Direkt nach dem Ankommen, bevor irgendjemand das Textheft aufschlägt. Das Ritual leistet die halbe Arbeit: Eine Gruppe, die weiß, dass jetzt gespielt wird, kommt schon anders in den Raum.
- Erklären in maximal drei Sätzen, dann anfangen.Regeln werden im Spielen verstanden, nicht im Zuhören. Die erste Runde gilt als Probelauf, danach wird sauber neu gestartet. Wer eine Regel vollständig erklärt, bevor es losgeht, hat die Hälfte der Zeit schon verbraucht.
Fünf Spiele, eins je Stufe
Zählen bis zehn · Stufe 1: Ankommen
Ziel: Gegenseitiges Wahrnehmen, Ruhe, Gruppengefühl · Dauer: 3–5 Min · Aufstellung: Kreis oder verteilt im Raum, Augen zu
Im Sitzen: Ja.
Die Gruppe zählt gemeinsam von eins bis zehn. Keine Absprache, keine Reihenfolge, niemand darf zwei Zahlen hintereinander sagen. Sprechen zwei gleichzeitig, beginnt es wieder bei eins.
Es sieht nach nichts aus und ist das schwerste Spiel dieses Buches. Manchmal hängt eine Gruppe drei Minuten bei der Sieben. Nicht eingreifen, nicht helfen, nicht kommentieren — das Aushalten ist die Übung.
Nach oben offen. Wer es bis zehn schafft, versucht fünfzehn. Wer fünfzehn schafft, versucht zwanzig. Eine Gruppe, die zwanzig schafft, hört einander zu — mehr muss man über sie nicht wissen.
Wofür. Das beste Spiel für Abende, an denen die Gruppe aufgekratzt und laut ankommt. Es zwingt zum Zuhören, ohne dass das Wort „Ruhe“ fällt. Und es funktioniert auch, wenn die Hälfte der Gruppe fehlt.
Achtung. Augen zu ist keine Schikane, sondern der Kern: Mit offenen Augen wird über Blicke abgesprochen, und dann ist es ein anderes, leichteres Spiel.
Summen und Öffnen · Stufe 2: Stimme und Lautstärke
Ziel: Resonanz finden, Stimme aufwärmen, bevor sie belastet wird · Dauer: 3 Min · Aufstellung: Kreis, sitzend oder stehend
Im Sitzen: Ja.
Alle summen auf einem bequemen Ton, die Lippen leicht geschlossen, eine Hand auf dem Brustbein, die andere auf dem Nasenrücken. Es soll unter beiden Händen kribbeln — wenn es das nicht tut, ist der Ton zu hoch oder zu leise.
Dann das Summen öffnen: „Mmmmm — mahhhh“, ohne den Ton zu wechseln und ohne lauter zu werden. Das Öffnen ist die eigentliche Übung; das Summen ist nur die Vorbereitung darauf.
Stufe 2. Der Ton wandert im Kreis. Jeder übernimmt und gibt weiter, ohne dass eine Lücke entsteht. Wer zu früh aufhört, reißt den Klang auf.
Stufe 3. Die halbe Gruppe summt tief, die andere Hälfte legt ein „mah“ in den Raum. Nach einer Minute tauschen. Der Klang soll den ganzen Raum füllen, nicht nur den Kreis.
Achtung. Das ist die einzige Übung im Buch, die immer vor allen anderen Stimmübungen kommt — ohne Ausnahme, auch wenn die Zeit knapp ist. Drei Minuten reichen. Lieber ein lautes Spiel streichen als diese drei Minuten.
Ich bin ein Baum · Stufe 3: Reaktion und Stimmung
Ziel: Assoziieren ohne Nachdenken, Bilder gemeinsam bauen · Dauer: 6–8 Min · Aufstellung: Kreis, Mitte frei
Im Sitzen: Ja, wenn statt Haltungen Gesten und Sätze gespielt werden.
Eine Person tritt in die Mitte, nimmt eine Körperhaltung ein und sagt, was sie ist: „Ich bin ein Baum.“ Eine zweite Person tritt dazu, nimmt ebenfalls eine Haltung ein und benennt etwas, das sie damit verbindet: „Ich bin die Rinde.“ Eine dritte kommt dazu: „Ich bin der Käfer.“
Dann wählt die erste Person eine der beiden aus — „Ich nehme den Käfer“ — und geht mit ihr zurück in den Kreis. Übrig bleibt eine einzelne Person mit ihrem Begriff, und die ist der Anfang des nächsten Bildes. So läuft es endlos weiter.
Die eine Regel. Assoziiert wird immer auf den ersten Begriff, nicht auf den zuletzt genannten. Sonst wandert das Bild in drei Schritten von einem Baum zu einer Autobahnraststätte, und niemand weiß mehr, wovon geredet wird.
Achtung. Nicht warten, bis jemand etwas Gutes einfällt. Wenn nach drei Sekunden niemand kommt, geht die Spielleitung selbst hinein. Zwei solche Einsätze, und die Gruppe traut sich.
Wofür. Es trainiert das, was Anfängern am schwersten fällt: etwas anbieten, das nicht klug ist. Wer hier dreimal einen offensichtlich banalen Begriff gesagt hat und dafür nicht ausgelacht wurde, improvisiert später in der Szene mit.
Statusspiel · Stufe 4: Figur
Ziel: Machtverhältnisse, Haltung, Blick · Dauer: 6 Min · Aufstellung: Frei im Raum, ein Satz Spielkarten
Im Sitzen: Ja, im Kreis mit Begrüßungen über die Distanz.
Jede Person zieht verdeckt eine Karte und hält sie unangesehen an die Stirn. Sechs bis Ass, wobei Ass der höchste Status ist. Dann bewegen sich alle im Raum, begrüßen einander und behandeln jeden so, wie seine Karte es vorgibt — ohne dass jemand die eigene kennt.
Nach drei Minuten stellen sich alle in einer Reihe auf, wie sie ihren eigenen Status einschätzen. Dann werden die Karten angeschaut. Die Reihe stimmt fast immer, und niemand hat je erklärt, woran man das erkennt.
Achtung. Kein Anfassen, kein Erniedrigen, keine Beleidigungen. Status zeigt sich über Blickdauer, Abstand und darüber, wer zuerst spricht — nicht über Inhalte. Das muss vorher gesagt werden, sonst rutscht die Übung ab.
Wofür. Fast jede Szene läuft über Status: Wer hat den Vertrag, wer den Schlüssel, wer die Frechheit. Wer einmal gespürt hat, wie Status ohne ein einziges Wort funktioniert, spielt seine Auftritte anders.
Steigerung. Zwei Personen bekommen bewusst benachbarte Karten. Der Unterschied zwischen Bube und Dame ist erheblich schwerer zu spielen als der zwischen Sechs und Ass — und viel näher an dem, was auf der Bühne gebraucht wird.
Bushaltestelle · Stufe 5: Hänger meistern
Ziel: Auftreten und Abgehen mit einem Grund · Dauer: 8 Min · Aufstellung: Zwei Stühle nebeneinander, der Rest schaut zu
Im Sitzen: Das Spiel ist ein Sitzspiel; nur der Abgang wird gespielt.
Zwei Stühle sind eine Bushaltestelle. Eine Person sitzt und wartet. Eine zweite kommt dazu, setzt sich und bringt eine deutliche Figur mit — laut, aufdringlich, tieftraurig, unangenehm freundlich. Die beiden reden, bis die erste Person einen Grund hat zu gehen. Sie geht und sagt diesen Grund nicht; sie spielt ihn.
Dann rückt die zweite Person auf den Wartestuhl, und die nächste kommt dazu. So läuft es durch die ganze Gruppe. Am Ende hat jeder einmal jemanden vertrieben und ist einmal vertrieben worden.
Die eigentliche Regel. Niemand geht, weil die Übung es verlangt. Alle gehen, weil die Figur es nicht mehr aushält. Ein Abgang ohne Grund sieht auf der Bühne immer nach Regieanweisung aus — und genau das soll hier abtrainiert werden.
Achtung. Die dazukommende Figur wird deutlich, aber nicht bösartig. Es geht um Eigenart, nicht um Übergriffigkeit. Wer die andere Person beschimpft, hat die Übung nicht verstanden.
Steigerung. Die Spielleitung flüstert der dazukommenden Person eine einzige Eigenschaft zu, die niemand sonst kennt. Die Gruppe rät sie hinterher — und lernt dabei, wie wenig es braucht, damit eine Figur lesbar wird.
Das ganze Buch: 46 Spiele, fünf Stufen, eine Notizseite je Spiel
46 Gruppenspiele für Theatergruppen, Theater-AGs und Laienensembles – ohne Material, in fünf Minuten erklärt, mit Notizseite zu jedem Spiel. Die Stufen folgen dem Probenverlauf: Ankommen · Stimme und Lautstärke · Reaktion und
Stimmung · Figur · und zum Schluss das Kapitel, das andere Spielesammlungen nicht haben: was zu tun
ist, wenn auf der Bühne jemand hängt. 23 Listen mit je 20 Vorschlägen (Zungenbrecher, Emotionen,
Startsituationen), damit um 19:45 Uhr nichts einfallen muss.
Als Taschenbuch (DIN A4)
176 Seiten, ein Spiel pro Seite, links daneben die Notizseite für die eigene Gruppe.
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Als gebundene Ausgabe
Derselbe Inhalt mit festem Einband – für ein Buch, das jede Spielzeit mitgeht.
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Als Kindle-eBook
Alle 46 Spiele und Listen auf Kindle, Tablet oder Handy – in jeder Probe dabei.
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Band 2: Szenen bauen ohne Stück
40 Improvisations- und Szenenspiele mit acht fertigen Probenplänen à 80 Minuten – für die Zeit nach dem Aufwärmen, wenn es noch kein Stück gibt.
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